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Eberhard Friedrich Walcker

Der Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker gilt als der bedeutendste deutsche Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Am 3. Juli 1794 in Cannstatt geboren, kam er in der elterlichen Werkstätte schon früh mit dem Orgelbau in Kontakt.

Nach dem Besuch der Cannstatter Latein- und der Stuttgarter "Malschule" sowie einer Orgelbauerlehre beim Vater machte er sich im Jahre 1820 selbständig. Seine künstlerische Begabung, die Liebe zu seinem Beruf und sein unternehmerischer Wagemut ließen in ihm die Vision eines neuen Orgelklangs heranreifen. Das erste große Werk, in dem seine stilbildende Dispositionsweise zum Ausdruck kam, war die neue Orgel der Pauluskirche in Frankfurt/Main (Opus 9/1827-1833/III/74).

Der jahrzehntelange Prozeß einer Neudefinierung des Orgelklangs, in Ansätzen schon bei G. Silbermann und J. Gabler erkennbar und danach besonders von Abbé Georg Joseph Vogler vorangetrieben, fand damit durch Walcker zu seiner bis zum Ende der Epoche gültigen Klanglichkeit. Weitere große Werke mit 52 bis 100 Registern erstellte er in St. Petersburg (St. Petri), Reval (Tallinn, Olaikirche), Stuttgart (Stiftskirche), Helsinki (Dom), Agram (Zagreb, Dom), Ulm (Münster), Frankfurt/Main (Dom und St. Katharinen), Wiesbaden (Marktkirche), Boston (Musikhalle) und Mühlhausen (St. Stephan).

Die nach der klanglichen Prägung der Romantik wichtigste Neuerung Walckers war die Einführung und Verbreitung der Registerkanzelle im Orgelbau. Seine Unzufriedenheit mit der damaligen Schleiflade und der Bau von großen Werken in Orten wie St. Petersburg und Reval mit ihrem feuchten, nordischen Klima führten dazu, dass er ab etwa 1845 alle seine Instrumente auf Kegelladen erstellte. Das neue Ladensystem erlaubte ihm auch die Entwicklung von Spielhilfen wie z. B. der Kollektivtritte und des Registercrescendos (erstmals in Agram).

Walckers Aufstieg zum führenden deutschen Orgelbauer hatte zur Folge, dass seine Ludwigsburger Werkstätte als begehrter Ausbildungsplatz galt. Viele bedeutende Orgelbauer des 19. Jahrhunderts wie z. B. Friedrich Haas, Johann Nepomuk Kuhn, Johannes und Paul Link, Jürgen Andreas Marcussen, Joseph Merklin, Wilhelm Sauer, Georg Friedrich Steinmeyer und Carl Gottlob Weigle durchliefen seine" Schule". Als Eberhard Friedrich Walcker am 4. Oktober 1872 starb, gaben 277 Instrumente in aller Welt Zeugnis von seinem Klangideal.

Leider gingen über 90 % seines Oeuvres in den letzten 120 Jahren verloren. Den etwa 27 verbliebenen Orgeln kommt deshalb ein außergewöhnlicher Denkmalwert zu. Größere Werke befinden sich heute noch in Schramberg, Hoffenheim, Göppingen, → Neuhausen, Zagreb (Dom), Loffenau, Albersweiler, Methuen (Mass. USA), Waldkirch und Buenos Aires.

Quelle: Ferdinand Moosmann

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